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Zahl der pflegebedürftigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland wächst

Credits : iStock.com/PeopleImages

Der kürzlich veröffentlichte Report des Medizinischen Dienstes Bund (MD Bund) zeigt: Die Zahl der Begutachtungen von Pflegebedürftigkeit bei jungen Menschen hat im Vergleich zu 2014 deutlich zugenommen. Waren es damals rund 1,5 Millionen Begutachtungen jährlich, sind es heute mehr als drei Millionen.

Hintergrund & Zahlen

  • Insgesamt zählen in Deutschland etwa 5,6 Millionen Pflegebedürftige, rund 90 % davon leben zu Hause
  • Kinder und Jugendliche bilden dabei eine wachsende Gruppe – der Bericht verzeichnet eine deutlich höhere Zahl von Begutachtungen in den letzten Jahren
  • Die Diagnosen zeigen ein klares Bild: Im Schnitt erlangen Kinder mit einem Alter von etwa 8 Jahren ihren ersten Pflegegrad
  • Jungen sind mit etwa 65,5 % stärker betroffen als Mädchen (34,5 %)

Häufigste Ursachen: ADHS & Entwicklungsstörungen

Bei Kindern bis 17 Jahren sind Hyperkinetische Störungen (z. B. ADHS), tiefgreifende Entwicklungsstörungen sowie Sprech- und Sprachstörungen die häufigsten Gründe für eine Einstufung als pflegebedürftig. Ein Anstieg dieser Störungen—unter anderem bedingt durch die Corona-Pandemie—führt zu häufigeren Begutachtungen.


Begutachtung: spezielle Verfahren für junge Patient\:innen

Die Bewertung von Pflegebedürftigkeit bei Kindern unterscheidet sich deutlich von der Erwachsener:

  • Kinder bis 18 Monate erhalten automatisch einen Pflegegrad höher – ihre Selbstständigkeit ist altersbedingt eingeschränkt (Bis zum sechsten Lebensjahr wird das Kind anhand altersgemäßer Vergleichstabellen beurteilt.)
  • Ab dem 11. Lebensjahr gelten die Maßstäbe wie bei Erwachsenen ().
  • Speziell geschulte Gutachter:innen mit Erfahrung in Kinder- und Jugendpflege führen die Begutachtung durch .

Pflegeleistungen und Unterstützung für Familien

Pflegebedürftige Kinder erhalten dieselben Leistungen wie Erwachsene, jedoch mit besonderen Optionen:

  • Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder eine Kombination aus beidem (Pflegesach- & Pflegegeldleistungen).
  • Entlastungsbetrag von aktuell 131 Euro monatlich für Alltags- und Betreuungsdienste.
  • Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege: bis zu 56 Tage stationär oder zur Vertretung einsetzbar.
  • Technische Hilfsmittel, etwa Gehhilfen oder Stomaversorgung, und Verbrauchsmaterial bis 42 Euro monatlich .
  • Teilhabeleistungen via Reha, Assistenz und persönliches Budget fördern soziale Integration.

Belastungen für Familien & notwendige Entlastung

Pflegende Eltern stehen unter enormem Druck:

  • Ein Drittel klagt über erhebliche bürokratische Lasten, vor allem durch mehrfach Terminabsprache und Dokumentationspflichten .
  • Mentale Belastungen und der Spagat zwischen Beruf, Familie und Pflege affectieren bis zu 78 % der Eltern.
  • Fachliteratur schätzt rund 190.000 Kinder und Jugendliche mit dauerhaftem Pflegebedarf – gut 5 % aller Pflegebedürftigen.

Reformbedarf & politische Implikationen

  • Der deutliche Anstieg der Pflegebegutachtungen unter Kindern mahnt zur Stärkung ambulanter Angebote – spezialisierten Kinderpflegediensten, Hilfestellungen und flexibleren Betreuungsmodellen .
  • Kindgerechte Fallbearbeitung, bürokratische Erleichterungen und Ausweitung des persönlichen Budgets können Familien entlasten.

Empfehlungen für die Praxis

  • Frühzeitige Antragstellung: Frühere Diagnosestellung – wie bei ADHS oder Sprachentwicklungsstörungen – kann eine schnellere Pflegegradgewährung ermöglichen.
  • Gute Vorbereitung der Begutachtung: Pflegeprotokolle, Arztberichte und dokumentierte Alltagssituationen sind essenziell.
  • Spezialisierte Pflegeberatung: Hilfreich ist der Kontakt zu Pflegeberatungsstellen für Kinder und Familien.
  • Austausch fördern: Netzwerke von Eltern pflegebedürftiger Kinder stärken den Zusammenhalt und bieten Ressourcen im Alltag.

Ein umfassender Blick auf die steigende Pflegebedürftigkeit bei Kindern zeigt: Es braucht mehr kindgerechte Strukturen, pragmatische Hilfeangebote und Entlastung für betroffene Familien.


Wenn Sie sich mit der Pflegebegutachtung auseinandersetzen, lohnt sich das Gespräch mit spezialisierten Pflegeberatungsteams – so können Sie den Alltag mit Ihrem Kind besser meistern, alle Leistungen ausschöpfen und rechtzeitig reagieren.

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