Aerosole bei der professionellen Zahnreinigung (PZR) stellen ein bekanntes Infektionsrisiko dar – nun liefert eine in-vitro-Studie unter standardisierten Laborbedingungen neue Daten zur Effektivität dreier Schutzstrategien.
Untersuchungsdesign im Überblick
- Dreidimensionale Fluoreszenztechnik: Simulierter Biofilm auf Kunststoffzähnen wurde mittels Ultraschall-Maschinen (z. B. TIG, VEC) und Saughilfen gereinigt. Kontaminationen in der Umgebung wurden millimetergenau gemessen.
- Getestete Schutzmaßnahmen:
- Standard-Saugkanüle (STS)
- Speichelsauger (CDS)
- Neuer Prophylaxesauger (PS-Kanüle) mit rotierendem Schild.
Ergebnisse: Wirkung der Saugtechniken
| Saugtechnik | Aerosolreduktion | Effektivität im direkten Umfeld |
|---|---|---|
| Standardkanüle | Basisniveau | Gering rockkante Aufnahme |
| Speichelsauger | Moderate Verbesserung | +20–30 % im direkten Mundbereich |
| Prophylaxesauger | Deutlich besser | Bis zu doppelte Absaugleistung |
Selbst mit Hochvolumenabsaugung lassen sich etwa 50–66 % der Aerosole einfangen. Vollständige Eliminierung ist allerdings auch mit optimierter Technik nicht möglich .
Ultraschall vs. Schall – Unterschiede bei Aerosolbildung
- Piezo-Ultraschallgeräte erzeugen zielgenauen, geringeren Spraynebel.
- Schallscaler verteilen Aerosole großflächiger – vergleichsweise unkontrolliert.
Beide kühlen mit Wasser/Kühlmittel, was Aerosolbildung jedoch per se bedingt.
Ergänzende Maßnahmen empfohlen
Zur Risikominimierung empfiehlt sich ein mehrstufiger Schutzansatz:
- Antimikrobielle Mundspülung (z. B. chlorhexidinhaltig) vor Beginn senkt die Keimlast um bis zu 90 % .
- Hochvolumenabsaugung (idealerweise ≥ 300 l/min) in Kombination mit Prophylaxesauger verbessert Aerosolaufnahme.
- Persönliche Schutzausrüstung: Mund-Nasen-Schutz (FFP 2/3), Schutzbrille oder Visier und Handschuhe gelten weiter als Standard.
- Ergonomische Arbeitstechnik: Sitzposition optimieren, Kanülenführung wie ein „Schirm“ über der Mundöffnung einsetzen und zweihändige Assistenz verwenden – so lässt sich Aerosol auch technisch reduzieren.
Praxisrelevanz – was das konkret bedeutet
- Setzt man konsequent an mehreren Stellen an, lassen sich Aerosole drastisch verringern – auch wenn ein Restrisiko bleibt.
- Speziell die Prophylaxesauger bieten einen spürbaren Fortschritt gegenüber Standardanlagen – gerade bei alleiniger PZR.
- Ultraschallgeräte sind gegenüber Schallscalern zu bevorzugen, wenn es um Aerosolkontrolle geht.
Diese Studie bestätigt, was Prophylaxe-Expert:innen in der täglichen Arbeit beobachten: Aerosol-Schutz ist nur im Zusammenspiel wirksam – moderne Saugsysteme, Mundspülungen, präzises Handling und Schutzausrüstung bilden ein integriertes Schutznetzwerk. In der Pandemie- und Post-Pandemie-Zeit bleibt das Thema relevant – gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass mit geringem Mehraufwand ein deutlicher Sicherheitsgewinn erzielt werden kann.
Mit Blick auf Zahnarztpraxen und Prophylaxeteams legen die Erkenntnisse nahe, Schutzstrategie ernsthaft neu auszurichten – nicht nur technisch, sondern auch in Bezug auf Personaltraining, Investitionen und Hygienekonzepte.