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Risiko kryptogener Schlaganfälle bei jungen Frauen: Dreifach erhöht durch kombinierte orale Kontrazeptiva

Credits : iStock.com/SeventyFour

Eine aktuelle europäische Studie hat ergeben, dass kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) das Risiko für kryptogene ischämische Schlaganfälle bei jungen Frauen deutlich erhöhen können. Die SECRETO-Studie, vorgestellt auf der European Stroke Organisation Conference (ESOC) 2025 in Helsinki, zeigt, dass die Einnahme von KOK mit einem dreifach erhöhten Risiko für solche Schlaganfälle verbunden ist.

Was ist ein kryptogener Schlaganfall?

Ein kryptogener Schlaganfall ist ein ischämischer Schlaganfall, dessen Ursache trotz umfassender Diagnostik nicht festgestellt werden kann. Besonders bei jungen Erwachsenen machen kryptogene Schlaganfälle einen erheblichen Anteil aus.

Ergebnisse der SECRETO-Studie

Die SECRETO-Studie („Searching for Explanations for Cryptogenic Stroke in the Young“) untersuchte 536 Frauen im Alter von 18 bis 49 Jahren aus 14 europäischen Zentren. Davon hatten 268 Frauen einen kryptogenen Schlaganfall erlitten, während die anderen 268 als Kontrollgruppe dienten. Die Studie ergab, dass Frauen, die kombinierte orale Kontrazeptiva einnahmen, ein dreifach erhöhtes Risiko für kryptogene Schlaganfälle hatten, selbst nach Anpassung für bekannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Migräne mit Aura und Adipositas.

Mögliche Mechanismen

Die genauen Mechanismen, durch die KOK das Risiko für kryptogene Schlaganfälle erhöhen, sind noch nicht vollständig verstanden. Es wird vermutet, dass neben der bekannten Wirkung auf die Blutgerinnung auch andere, möglicherweise genetische oder biologische Faktoren eine Rolle spielen könnten. Die meisten in der Studie verwendeten Präparate enthielten Ethinylestradiol in einer Dosis von 20 Mikrogramm, kombiniert mit verschiedenen Gestagenen.

Bedeutung für die Praxis

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Notwendigkeit einer sorgfältigen individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung bei der Verschreibung von KOK, insbesondere bei Frauen mit zusätzlichen Risikofaktoren. Ärztinnen und Ärzte sollten alternative Verhütungsmethoden in Betracht ziehen und ihre Patientinnen umfassend über mögliche Risiken aufklären.

Alternative Verhütungsmethoden

Nicht alle hormonellen Verhütungsmittel sind mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden. Eine dänische Studie mit über 2 Millionen Frauen zeigte, dass bestimmte Präparate, wie die Levonorgestrel-haltige Hormonspirale, kein signifikant erhöhtes Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte aufweisen. Andere Formen, wie Vaginalringe oder Hormonpflaster, zeigten hingegen ein höheres Risiko.

Empfehlungen für Patientinnen

  • Frauen sollten sich vor der Wahl eines Verhütungsmittels umfassend über mögliche Risiken informieren.
  • Bei bestehenden Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen oder Migräne mit Aura sollte die Verwendung von KOK besonders sorgfältig abgewogen werden.
  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen und eine offene Kommunikation über mögliche Nebenwirkungen sind essenziell.

Die neuen Erkenntnisse betonen die Bedeutung einer individuellen Beratung und einer informierten Entscheidung bei der Wahl der Verhütungsmethode. Weitere Forschung ist notwendig, um die genauen Mechanismen zu verstehen und sichere Alternativen zu identifizieren.

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