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Pflegekosten in Deutschland: Ausgaben steigen auf Rekordniveau

Credits : iStock.com/PIKSEL

Die Pflegeausgaben in Deutschland haben im Jahr 2023 ein neues Rekordniveau erreicht. Laut dem Statistischen Bundesamt beliefen sich die Ausgaben für ambulante, stationäre und teilstationäre Pflegeeinrichtungen auf insgesamt 82,4 Milliarden Euro – ein Anstieg von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Entwicklung der Pflegeausgaben

In den letzten zehn Jahren haben sich die Pflegeausgaben nahezu verdoppelt. Im Jahr 2013 lagen die Ausgaben noch bei 42,4 Milliarden Euro. Besonders stark stiegen die Kosten in der ambulanten Pflege, die sich um 132,9 Prozent erhöhten. In der stationären und teilstationären Pflege betrug der Anstieg 73,8 Prozent.

Ursachen für den Anstieg

Der Anstieg der Pflegeausgaben ist vor allem auf die Zunahme der Pflegebedürftigen zurückzuführen. Im Dezember 2023 waren in Deutschland 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig – mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Ein weiterer Faktor ist die Einführung des weiter gefassten Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017, der dazu führte, dass mehr Menschen als pflegebedürftig eingestuft werden.

Verteilung der Pflegeformen

Der Großteil der Pflegebedürftigen wird zu Hause versorgt. Im Jahr 2023 wurden 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause betreut, die meisten davon überwiegend durch Angehörige. Die restlichen 14 Prozent wurden stationär in Pflegeeinrichtungen versorgt.

Finanzielle Belastung für Pflegebedürftige

Die Kosten für Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen sind erheblich. Im Jahr 2023 mussten Pflegebedürftige durchschnittlich 2.267 Euro pro Monat aus eigener Tasche zahlen, trotz Leistungen der Pflegeversicherung. Diese Summe umfasst 874 Euro für Pflege, 909 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 484 Euro für Investitionskosten. Die durchschnittliche Brutto-Rente liegt je nach Bundesland zwischen 1.427 Euro und 1.677 Euro, was eine erhebliche finanzielle Lücke bedeutet.

Leistungszuschläge zur Entlastung

Seit dem 1. Januar 2022 gibt es Leistungszuschläge, die den Eigenanteil der Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen reduzieren sollen. Die Höhe des Zuschusses hängt von der Dauer des Heimaufenthalts ab und kann bis zu 75 Prozent des Eigenanteils betragen. Allerdings gelten diese Zuschläge nur für die Pflegekosten, nicht für Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten.

Finanzierung der Pflegeversicherung

Die Pflegeversicherung steht vor finanziellen Herausforderungen. Für das Jahr 2024 wird ein Defizit von 1,55 Milliarden Euro erwartet. Eine Beitragserhöhung zum 1. Januar 2025 um 0,2 Prozentpunkte soll zusätzliche Einnahmen von 3,7 Milliarden Euro bringen, wodurch das Defizit auf 300 Millionen Euro reduziert werden könnte.

Ausblick

Die demografische Entwicklung in Deutschland wird die Pflegekosten weiter steigen lassen. Es wird erwartet, dass bis 2035 ein zusätzlicher Bedarf von fast 500.000 Pflegekräften besteht, um die Versorgung sicherzustellen. Ohne ausreichende staatliche Gegenfinanzierung könnten Träger sozialer Dienste in eine finanzielle Zwickmühle geraten.

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