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Pflege neu gedacht: Der Internationale Pflegeverband formuliert zukunftsweisende Definition

Credits : iStock.com/PeopleImages

Der Internationale Pflegeverband (ICN) hat eine aktualisierte Definition des Pflegeberufs veröffentlicht, die erstmals seit 2002 grundlegend überarbeitet wurde. Diese Neufassung trägt den tiefgreifenden Veränderungen im Gesundheitswesen Rechnung und rückt die Pflege als eigenständige, evidenzbasierte Profession in den Vordergrund.

Die Neudefinition ist das Ergebnis eines globalen Konsultationsprozesses, an dem Pflegekräfte aus über 120 Ländern beteiligt waren. Ziel war es, die Rolle und den Auftrag der Pflegeberufe im 21. Jahrhundert klarer zu fassen – auch im Hinblick auf politische und gesellschaftliche Herausforderungen wie den demografischen Wandel, zunehmende Komplexität von Versorgungssituationen und Fachkräftemangel.

Pflege als eigenständige wissenschaftliche Disziplin

Die neue ICN-Definition hebt die Pflege explizit als „eigenständige wissenschaftliche Disziplin“ hervor. Pflegekräfte tragen demnach Verantwortung für die Erhaltung, Wiederherstellung und Förderung von Gesundheit – ebenso wie für die Prävention von Krankheiten und die Versorgung von Menschen in allen Lebensphasen.

Zentrale Elemente der Definition sind:

  • Förderung von Gesundheit und Lebensqualität
  • Prävention von Krankheiten
  • Versorgung von Menschen mit akuten oder chronischen Erkrankungen
  • Begleitung in palliativen und terminalen Lebensphasen
  • Evidenzbasierte Entscheidungsfindung
  • Ethisch reflektiertes Handeln
  • Interprofessionelle Zusammenarbeit

Diese Ausweitung ist nicht nur semantischer Natur. Sie betont die Autonomie der Pflege und unterstreicht ihre strategische Rolle in der Gesundheitsversorgung.

Konsequenzen für Ausbildung, Praxis und Politik

Die ICN sieht die Definition als Richtlinie für nationale Berufsverbände, Gesundheitspolitik und Bildungseinrichtungen. Sie soll als Grundlage dienen, um Ausbildungsinhalte, gesetzliche Rahmenbedingungen und Versorgungsmodelle weiterzuentwickeln.

In Deutschland etwa könnte die Definition Impulse geben für eine vertiefte Akademisierung der Pflege sowie für den Ausbau erweiterter Rollen, etwa im Bereich Community Health Nursing, Pflegeberatung oder Advanced Practice Nursing.

Reaktionen aus der Pflegepraxis

Fachverbände und Pflegewissenschaftlerinnen begrüßen den Schritt. Die neue Definition trage dazu bei, das Berufsbild international zu harmonisieren und die gesellschaftliche Wahrnehmung der Pflege zu stärken. Auch im Kontext interprofessioneller Versorgung sei es wichtig, dass die Pflege mit klar umrissenen, eigenständigen Kompetenzen sichtbar bleibt.

Die neue ICN-Definition verdeutlicht damit nicht nur, was Pflege heute ist – sondern auch, was sie künftig sein soll: ein zentraler, hochqualifizierter und unverzichtbarer Bestandteil eines modernen Gesundheitssystems.

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