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Neue Hoffnung bei MLD: Gentherapie stoppt schwere Erbkrankheit

Credits : iStock.com/lucadp

Die metachromatische Leukodystrophie (MLD) zählt zu den seltenen, aber besonders schweren erblichen Stoffwechselerkrankungen. Sie führt unbehandelt zu fortschreitenden neurologischen Ausfällen und endet meist tödlich. Mit der Gentherapie Libmeldy steht seit Kurzem erstmals eine kausale Behandlung zur Verfügung, die das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten kann – vorausgesetzt, sie wird frühzeitig angewendet.

Was ist MLD?

MLD wird durch Mutationen im ARSA-Gen verursacht, die zu einem Mangel des Enzyms Arylsulfatase A führen. In der Folge reichern sich Sulfatide in den Nervenzellen an, was zu einer fortschreitenden Zerstörung der Myelinscheiden im zentralen und peripheren Nervensystem führt. Die Erkrankung tritt in drei Hauptformen auf:

  • Spätinfantile Form: Beginn zwischen dem 6. und 30. Lebensmonat, rascher Verlauf mit motorischem und kognitivem Abbau.
  • Juvenile Form: Beginn zwischen dem 3. und 16. Lebensjahr, langsamerer Verlauf.
  • Adulte Form: Beginn im Erwachsenenalter, variabler Verlauf.

Die Häufigkeit der Erkrankung liegt bei etwa 1:40.000 Neugeborenen.

Libmeldy: Eine neue Ära der Behandlung

Libmeldy (atidarsagene autotemcel) ist eine einmalige Gentherapie, die darauf abzielt, die zugrunde liegende Ursache der MLD zu behandeln. Dabei werden dem Patienten eigene hämatopoetische Stammzellen entnommen, genetisch modifiziert und anschließend zurücktransplantiert. Die modifizierten Zellen produzieren das fehlende Enzym Arylsulfatase A, wodurch die schädliche Ansammlung von Sulfatiden verhindert wird.

Die Therapie ist zugelassen für:

  • Kinder mit spätinfantiler oder frühjuveniler MLD, die noch keine Symptome zeigen.
  • Kinder mit frühjuveniler MLD, die erste Symptome zeigen, aber noch selbstständig gehen können und keine kognitiven Beeinträchtigungen aufweisen.

Klinische Ergebnisse und Langzeitwirkung

In klinischen Studien wurden 29 Kinder mit MLD behandelt und über einen Zeitraum von bis zu 8,7 Jahren beobachtet. Die Ergebnisse zeigten:

  • Überleben: 100 % der behandelten spätinfantilen Patienten waren nach 8,7 Jahren noch am Leben, verglichen mit 36,8 % in der unbehandelten Vergleichsgruppe.
  • Motorische Funktion: Die meisten behandelten Kinder behielten ihre motorischen Fähigkeiten bei oder verbesserten sie sogar.
  • Enzymaktivität: Die Aktivität der Arylsulfatase A normalisierte sich innerhalb von 3 bis 6 Monaten nach der Behandlung und blieb über Jahre stabil.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Libmeldy eine dauerhafte Wirkung erzielen kann, insbesondere wenn die Behandlung vor dem Auftreten von Symptomen erfolgt.

Bedeutung des Neugeborenen-Screenings

Da die Wirksamkeit der Therapie stark vom Zeitpunkt der Anwendung abhängt, ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend. Ein Pilotprojekt in Tübingen hat gezeigt, dass ein Neugeborenen-Screening auf MLD betroffenen Kindern die Chance auf eine rechtzeitige Behandlung und damit auf ein nahezu normales Leben bieten kann. Die Einführung eines solchen Screenings könnte daher einen bedeutenden Fortschritt in der Versorgung von MLD-Patienten darstellen.

Zugang zur Therapie und Kosten

Libmeldy ist in der Europäischen Union zugelassen und wird in spezialisierten Zentren verabreicht. In Deutschland ist die Universitätsklinik Tübingen ein führendes Zentrum für die Anwendung dieser Therapie. Die Kosten für die einmalige Behandlung belaufen sich auf etwa 2,88 Millionen Euro, was Libmeldy zu einer der teuersten Therapien weltweit macht. Dennoch wird die Therapie in bestimmten Fällen von den Krankenkassen übernommen, insbesondere wenn sie vor dem Auftreten von Symptomen erfolgt.

Ausblick

Die Gentherapie Libmeldy stellt einen Meilenstein in der Behandlung der metachromatischen Leukodystrophie dar. Sie bietet betroffenen Kindern und ihren Familien neue Hoffnung auf ein Leben ohne die schweren Einschränkungen, die diese Erkrankung mit sich bringt. Die frühzeitige Diagnose durch Neugeborenen-Screenings und der Zugang zu spezialisierten Behandlungszentren sind dabei entscheidende Faktoren für den Therapieerfolg.

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