Patient:innen unter Chemotherapie sind häufiger von Zahnfleischentzündungen betroffen. Emotional wie körperlich belastend, beeinträchtigt eine Gingivitis nicht nur die Lebensqualität, sondern auch den Therapieverlauf. Dass begleitende Maßnahmen helfen können, belegt eine aktuelle Studie zur Photobiomodulation (PBM).
Was ist Photobiomodulation?
Die PBM ist eine spezielle Form der Lichttherapie mittels niederenergetischer Laser oder LED. Sie soll zum einen Entzündungen reduzieren, zum anderen Heilungsprozesse fördern und Schmerzen lindern – ohne direkte Eingriffe ins Gewebe.
Die Studie: Aufbau und Ergebnisse im Überblick
- Studien-Design: Prospektiv-randomisiert nach dem sogenannten Split‑Mouth-Prinzip – jede Patientin bzw. jeder Patient diente als eigene Kontrolle.
- Teilnehmer:innen: Erwachsene in Chemotherapie (n ≈ 20).
- Intervention: gezielte Lichtsitzungen im Mundraum während der laufenden Therapie.
- Ergebnisse:
- Signifikante Verringerung von Zahnfleischentzündung und Schmerzsymptomen im PBM-Bereich.
- Der Pleasure Index (PI) sowie der Gingival Index (GI) zeigten eindeutig bessere Werte auf der behandelten Seite.
- Das klinische Attachmentniveau blieb bei allen Beteiligten unverändert – ein Hinweis darauf, dass keine tiefergehende Gewebsveränderung vorliegt.
Die Autoren bewerten PBM als sinnvolle ergänzende Maßnahme zur Mundgesundheit während einer Chemotherapie.
Warum ist das für Betroffene relevant?
1. Entzündungsreduktion trotz immungeschwächtem Zustand
Zahnfleischentzündungen treten bei Chemotherapie häufiger auf – bedingt durch geschwächte Immunabwehr und reduzierte Selbstheilungskraft. Die PBM stellte hier einen wirksamen, nicht-invasiven Ansatz dar.
2. Schmerzreduktion und gesteigerter Komfort
Patient:innen berichteten über spürbare Linderung im PBM-behandelten Bereich – ein wichtiger Komfortgewinn, insbesondere beim Zähneputzen oder Essen.
3. Sicher und nebenwirkungsarm
Da das Attachmentniveau stabil blieb und keine strukturelle Schäden auftraten, erscheint PBM als risikoarme Begleitoption – vorausgesetzt, sie wird fachgerecht durchgeführt.
Praktische Anwendung und Empfehlungen
| Punkt | Empfehlung |
|---|---|
| Vor Therapiebeginn | Zahnarztbesuch zur Mundstatus-Erhebung und ggf. Sanierung |
| Wahl der Behandlung | PBM durch ausgebildetes Fachpersonal – keine Selbstbehandlung empfohlen |
| Einsatzgebiet | Ergänzend zu professioneller Zahn- und Mundhygiene |
| Begleitende Maßnahmen | Weiche Bürste, schonende Mundpflege, regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt |
Grenzen der aktuellen Erkenntnisse
- Die Untersuchung umfasst nur eine relativ kleine Stichprobe, was die Aussagekraft einschränkt.
- Langzeitdaten zur Wirkung fehlen bislang – etwa zur Wirkung über mehrere Chemotherapiezyklen hinweg.
- Patienten mit schweren Komorbiditäten oder anderen Mundschleimhauterkrankungen wurden nicht spezifisch untersucht.
Photobiomodulation kann während einer Krebstherapie einen wertvollen Beitrag zur Mundgesundheit leisten: Sie reduziert sichtbare Entzündung, lindert begleitende Beschwerden und lässt sich nebenwirkungsarm ergänzend einsetzen. Als Begleitmaßnahme zur professionellen Mundpflege und in Absprache mit Ärzt:innen bietet sie eine vielversprechende Option – insbesondere für Betroffene, die unter den Nebenwirkungen einer intensivierten Therapie besonders leiden.