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Künstliche Intelligenz revolutioniert die kieferorthopädische Lehre in Ulm

Credits : iStock.com/PhonlamaiPhoto

Die Digitalisierung der medizinischen Ausbildung schreitet voran – und die Universitätsklinik Ulm setzt dabei neue Maßstäbe. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbronn entsteht ein innovatives Lehrkonzept, das Künstliche Intelligenz (KI) gezielt in die kieferorthopädische Ausbildung integriert. Ziel ist es, Studierenden ein personalisiertes, interaktives Lernumfeld zu bieten, das sowohl die Diagnostik als auch die Therapieplanung umfasst.

Digitale Lernplattform als Fundament

Bereits seit 2022 nutzt die Klinik für Kieferorthopädie und Orthodontie an der Universitätsklinik Ulm eine digitale Lernplattform, die zentrale diagnostische Tools wie die Fernröntgenseitenanalyse (FRS), Kiefermodellanalyse und Diskrepanzanalyse beinhaltet. Diese Plattform wurde durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert und ist seit 2024 fester Bestandteil der kieferorthopädischen Ausbildung. Das didaktische Konzept sieht ein individuelles Feedback-System vor, das sowohl Studierenden als auch Dozenten zugutekommt.

Integration von KI in die Therapieplanung

In einer zweiten Förderphase, die 2025 genehmigt wurde, erweitert die Klinik gemeinsam mit der Hochschule Heilbronn und der Firma CASUS die Lernplattform um ein KI-gestütztes Feedbacksystem. Dieses System basiert auf einem Large Language Model (LLM) und soll insbesondere die klinischen Kurse im Fach Kieferorthopädie sowie die fachzahnärztliche Weiterbildung unterstützen. Die Datengrundlage bilden anonymisierte reale Therapiepläne, die dem Training der KI-Module dienen.

Personalisierte Rückmeldungen für Studierende

Das KI-System soll Studierenden detailliertes Feedback geben, etwa wenn sie in der Therapieplanung einen „falschen Weg“ eingeschlagen haben oder welche Vor- und Nachteile alternative Therapiekonzepte bieten. Diese Ergebnisse werden in persönlichen Besprechungen mit Dozenten in Kleingruppen diskutiert und vertieft. Durch das automatische, personalisierte Feedback erhoffen sich die Projektbeteiligten eine Verbesserung des strukturellen Verständnisses bei der Therapieplanung.

Einbindung von Informatikstudierenden

Auch Studierende der Informatik an der Hochschule Heilbronn sind aktiv in die Entwicklung und das Training der KI-Modelle eingebunden. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit fördert nicht nur den Austausch zwischen Medizin und Informatik, sondern trägt auch zur praxisnahen Ausbildung in beiden Fachrichtungen bei.

Zukunftsperspektiven

Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, dass Zahnmedizinstudierende unter Erhalt von KI-gestütztem Feedback sämtliche Diagnostik- und Therapieplanungsmodule auch selbständig zuhause üben und vertiefen können. Dies soll die Möglichkeiten der Prüfungs- und Examensvorbereitung verbessern und langfristig zu einer höheren Qualität in der kieferorthopädischen Ausbildung beitragen.

Mit diesem Projekt setzt die Universitätsklinik Ulm neue Maßstäbe in der digitalen medizinischen Lehre und zeigt, wie KI sinnvoll in die Ausbildung integriert werden kann.

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