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Ein deutlicher Aufwärtstrend bei den Pflegeausbildungen in Deutschland:

Credits : iStock.com/SeventyFour

2024 haben rund 59 400 neue Auszubildendemit der generalistischen Pflegeausbildung begonnen – ein Plus von etwa 9 % gegenüber 2023. Während die Gesamtzahl der Auszubildenden im Tragen mehrerer Jahrgänge mit rund 146 000 stabil blieb, stieg die Zahl der Neuverträge signifikant.

Rund 37 400 Personen haben 2024 ihre Pflegefachausbildung erfolgreich abgeschlossen – etwa 11 % mehr als im Vorjahr. Von den Absolventen wählten 99 % den generalistischen Abschluss, nur rund 1 % entschieden sich für Spezialisierungen in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege (≈280 Fälle) oder Altenpflege (≈80 Fälle).


Die generalistische Pflegeausbildung: Umbruch seit 2020

Mit dem Pflegeberufegesetz, das zum 1. Januar 2020 in Kraft trat, wurden die vormals getrennten Ausbildungsgänge zu einem einheitlichen Beruf zusammengeführt. Die Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann gliedert sich in drei Jahre und umfasst verpflichtende praktische Einsätze in allen Versorgungsbereichen: Akut-, Langzeit- und ambulante Pflege sowie Pädiatrie. Dem Abschluss folgt das Wahlrecht auf Spezialisierung, das bislang jedoch nur von einem kleinen Teil der Auszubildenden wahrgenommen wird .


Zahlen & Trends im Überblick

JahrNeue AusbildungsverträgeAbgeschlossene AusbildungenGesamtzahl Auszubildende
2023≈ 54 400 (+4 %)≈ 33 600≈ 146 900
2024 (vorl.)≈ 59 400 (+9 %)≈ 37 400 (+11 %)≈ 146 000

Der Anstieg der Neuverträge und absolvierten Ausbildungen deutet auf ein wachsendes Interesse und zunehmende Stabilität im Berufsfeld hin. Trotz der höheren Einstiegszahlen blieb die Gesamtzahl der Lernenden nahezu konstant, da Ausbildungsabbrüche und Übergänge zwischen Jahrgängen bisher nicht in gleichem Maß gesunken.


Demografie: Wer entscheidet sich für die Pflegeausbildung?

Der Anteil der Auszubildenden über 30 Jahre liegt bei knapp einem Fünftel (≈19 %). Das Durchschnittsalter aller Auszubildenden lässt sich mit rund 24 Jahren beziffern; dennoch startete etwa die Hälfte der Neueinstiege im Alter von 21 Jahren oder jünger (Statistisches Bundesamt). Der Frauenanteil bleibt hoch, mit rund 74 %, während der Anteil der Männer langsam wuchs: von 24 % Anfang 2020 auf etwa 26–27 % im Verlauf 2023/2024.


Einsatzorte: Wo wird ausgebildet?

Mehr als die Hälfte der Auszubildenden (≈ 51 %) absolviert die praxisorientierte Ausbildung in Krankenhäusern, gefolgt von etwa 35 % in stationären Pflegeeinrichtungen und knapp 11 % ambulant – der Rest verteilt sich auf weitere Bereiche wie mobile Dienste oder psychiatrische Einrichtungen.


Warum diese Entwicklungen bedeutsam sind

Die gestiegenen Ausbildungszahlen signalisieren eine Reaktion auf den anhaltenden Fachkräftemangel in der Pflege: Der Bedarf wächst kontinuierlich – nicht zuletzt wegen der jährlich steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen, die derzeit bei knapp 5,7 Millionen liegt. Gleichzeitig übersteigt die Nachfrage nach examinierten Pflegekräften weiterhin deutlich das Angebot. Die Pflegebranche sucht auf verschiedenen Wegen nach Stabilität.

Dennoch bleibt fraglich, ob diese Zahlenzuwächse langfristig ausreichen, um die Versorgungssicherheit zu garantieren. Der Bundesverband der Arbeitgeber kritisiert, dass selbst bei weiter steigenden Ausbildungszahlen das Problem der demografisch bedingten Berufsausscheidungen nicht gelöst sei – das gilt insbesondere für Regionen wie Sachsen oder Thüringen, in denen viele ältere Pflegekräfte bald in Rente gehen.


Was das für die Pflegeausbildung bedeutet

  • Mehr Männer in der Pflege: Der zunehmende Anteil männlicher Azubis deutet auf einen langsamen Wandel in der Geschlechterzusammensetzung hin.
  • Stabilisierung trotz Corona: Auch nach Pandemiezeiten bleibt die allgemeine Ausbildungsbasis weitgehend robust.
  • Akademisierung entwickelt sich langsam: Erste Studiengänge zur Pflegefachperson verzeichnen rund 1 200 Studierende zum Jahresende 2024 – hier ist jedoch noch Luft nach oben.
  • Abbruchquoten und Qualitätssicherung bleiben zentrale Themen – insbesondere in komplexen Praxisfeldern.

Der Blick auf diese Zahlen eröffnet Perspektiven für eine strategische Weiterentwicklung der Pflegeausbildung – etwa durch gezielte Berufsorientierung, Reformen bei Begleitung und Betreuung der Auszubildenden, sowie Verbesserung der Ausbildungsbedingungen und -qualität.

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