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Dr. Smile: Fragwürdige Geschäftspraktiken und die Illusion einer Zahnklinik

Credits : iStock.com/AndreyPopov

Das Berliner Unternehmen Dr. Smile, bekannt für den Vertrieb von durchsichtigen Zahnschienen (Alignern), steht derzeit im Fokus kritischer Berichterstattung. Im Zentrum der Diskussion: eine angebliche Zahnklinik in Düsseldorf, die nie in Betrieb war, sowie zahlreiche Beschwerden über mangelnde zahnärztliche Betreuung und aggressive Verkaufspraktiken.

Die nicht existierende Zahnklinik in Düsseldorf

Die DZK Deutsche Zahnklinik GmbH, ein Partnerunternehmen von Dr. Smile, beantragte 2019 eine Konzession für den Betrieb einer Privatkrankenanstalt in Düsseldorf. Diese wurde unter der Voraussetzung erteilt, dass stationäre Behandlungen durchgeführt würden – eine Voraussetzung, die bei Aligner-Behandlungen fachlich nicht gegeben ist. Tatsächlich wurde in den Räumlichkeiten nie eine Zahnklinik betrieben, es fanden weder stationäre noch ambulante zahnärztliche Leistungen statt. Die Zahnärztekammer Nordrhein stellte fest, dass die Konzession aufgrund fehlender Betriebsaufnahme bereits 2020 erloschen war.

Kritik an Behandlungspraktiken

Dr. Smile vermarktet seine Aligner-Behandlungen hauptsächlich online und über soziale Medien. Die Erstberatung erfolgt häufig durch Verkaufsagenten, nicht durch zahnärztliches Fachpersonal. Nach einer einmaligen 3D-Vermessung des Kiefers erhalten Patienten ihre Schienen per Post und dokumentieren den Fortschritt eigenständig über eine App. Eine kontinuierliche zahnärztliche Betreuung findet oft nicht statt. Dies führte in zahlreichen Fällen zu gesundheitlichen Problemen wie Zahnfleischentzündungen, Kieferschmerzen und sogar Zahnverlust.

Juristische Konsequenzen und Rückzug aus Märkten

In Österreich wurde Dr. Smile wegen irreführender Werbung und unzulässiger Vertragsklauseln verurteilt. Das Unternehmen zog sich daraufhin vollständig vom österreichischen Markt zurück. Auch in Polen gab es ähnliche Entwicklungen. Die Übernahme durch die spanische Unternehmensgruppe Impress führte zu weiteren strukturellen Veränderungen.

Empfehlungen für Patienten

Angesichts der Vorfälle raten Experten zu Vorsicht bei der Auswahl von Aligner-Behandlungen:

  • Fachärztliche Beratung: Vor Beginn einer Behandlung sollte stets eine umfassende Untersuchung durch einen approbierten Zahnarzt erfolgen.
  • Transparente Kostenaufstellung: Alle Kosten sollten vor Vertragsabschluss klar kommuniziert werden.
  • Kontinuierliche Betreuung: Eine regelmäßige Kontrolle durch zahnärztliches Fachpersonal ist essenziell für den Behandlungserfolg.

Die Entwicklungen rund um Dr. Smile verdeutlichen die Notwendigkeit klarer gesetzlicher Regelungen für Online-Zahnbehandlungen und den Schutz von Patientenrechten.

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