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Demenzpflege im Geschlechtervergleich: Forschungsprojekt deckt Versorgungsunterschiede bei Männern und Frauen auf

Credits : iStock.com/LightFieldStudios

Demenz ist längst nicht nur eine medizinische Herausforderung – sie ist auch ein gesamtgesellschaftliches Thema. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt unter Leitung der Universität Witten/Herdecke hat nun erstmals systematisch untersucht, ob es in der pflegerischen Versorgung von Frauen und Männern mit Demenz Unterschiede gibt – mit aufschlussreichen Ergebnissen.

Frauen mit Demenz: Häufiger allein, häufiger im Heim

Frauen sind nicht nur häufiger von Demenz betroffen, sie leben auch deutlich häufiger allein. Das Projekt zeigt, dass demenzkranke Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit in stationären Einrichtungen versorgt werden, während Männer – selbst bei vergleichbarem Pflegebedarf – öfter zu Hause bleiben. Dahinter stehen soziale Unterschiede: Männer mit Demenz haben häufiger eine (gesunde) Partnerin, die sich um die Pflege kümmert. Bei Frauen fehlt dieser familiäre Rückhalt oft.

Kernergebnisse zur Versorgungssituation:

AspektFrauen mit DemenzMänner mit Demenz
Lebenssituationhäufiger alleinlebendhäufiger in Partnerschaft
Pflegesettinghäufiger stationärhäufiger ambulant bzw. häuslich
Unterstützungsnetzwerkekleiner, häufiger durch professionelle Pflege ersetzthäufiger durch Ehepartner gestützt

Pflegende Angehörige – Belastung variiert nach Geschlecht

Interessant ist auch die Perspektive der pflegenden Angehörigen: Während Frauen häufiger die Pflege übernehmen, selbst wenn sie gesundheitlich stark belastet sind, zeigen Männer eine höhere Bereitschaft, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Pflegequalität, sondern auch auf die psychische Gesundheit der Pflegenden.

Ein zentrales Problem: Die Unterstützungsstrukturen sind bislang kaum auf diese Unterschiede zugeschnitten. Geschlechterspezifische Bedürfnisse – etwa in Bezug auf Kommunikation, Tagesstruktur oder das Erleben von Kontrollverlust – finden in pflegerischen Leitlinien bislang kaum Berücksichtigung.

Implikationen für Pflegepraxis und Politik

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts unterstreichen die Notwendigkeit, die Pflege von Menschen mit Demenz stärker zu individualisieren – nicht nur auf Basis des Krankheitsstadiums, sondern auch unter Berücksichtigung von Geschlecht, Lebenskontext und psychosozialem Umfeld.

Forderungen aus dem Projekt:

  • Entwicklung geschlechtersensibler Pflegekonzepte
  • Schulung von Pflegekräften im Umgang mit gender-spezifischen Bedürfnissen
  • Bessere Unterstützung alleinlebender Betroffener – vor allem älterer Frauen
  • Stärkere Einbindung männlicher Pflegebedürftiger in Aktivierungs- und Interventionsangebote

Projekt mit Modellcharakter

Das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Projekt ist Teil einer größeren Initiative zur Verbesserung der Pflegequalität bei neurodegenerativen Erkrankungen. Es basiert auf qualitativen Interviews, Versorgungsanalysen und der Auswertung von Pflegedaten. Neben der Universität Witten/Herdecke waren auch Praxispartner aus Pflegeeinrichtungen, Angehörigenvertretungen und Demenznetzwerken beteiligt.

Die Erkenntnisse sind nicht nur für die Pflegewissenschaft von Bedeutung, sondern haben auch unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgungspraxis – insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen mit Demenz.

Demenzpflege wird damit nicht nur zur Frage medizinischer Versorgung, sondern zunehmend auch zur Frage sozialer Gerechtigkeit.

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